FolkPost - Juni, Juli, August 2017

Vom Vorstand der LAG Folk 

Es ist eine nicht neue Erkenntnis: Die Mitglieder und besonders auch der Vorstand der LAG Folk werden immer älter. Seit Jahren hat sich unser aus Jung und Alt gemischtes Vorstandsteam sehr bewährt. Nun haben aber einige der Beisitzer aus nachvollziehbaren Gründen signalisiert, dass sie die Arbeit im Vorstand beenden wollen. Damit ergibt sich, dass wir hier dringend Nachwuchs brauchen. Bei der nächsten Mitgliederversammlung wird auch der 1. Vorsitzende neu zu wählen sein: Uli Rademacher muss etwas kürzer treten, wird uns aber bei besonderen Aufgaben weiter unterstützen. Auch die neuen Beisitzer*innen sollten ihrer Neigung entsprechend eigenverantwortliche Aufgaben übernehmen. Alle, die Lust und Zeit haben, zum Wohle des Folkes in der LAG mitzuwirken, sind herzlich eingeladen. Es winken sehr verdienstvolle Tätigkeiten, denn noch immer ist die LAG Folk Schleswig-Holstein bundesweit einzigartig und hat eine große Vorbildfunktion als Vertretung der Folkmusiker*innen, der FolkPost, dem Scheersbergtreffen und bei der Jugendfolkförderung. Besonders letztere wird in nächster Zeit großen Raum in der Arbeit des Vorstands einnehmen. Wir suchen also kreative Menschen aller Altersklassen mit Tatendrang: man/frau muss nicht gleich 1. Vorsitzende(r) werden, sondern kann auch als Beisitzer*in oder Kassenwart beginnen und sich langsam hocharbeiten. 

 

Über Takt(gefühl) und Rhythmus(gefühl) 

von Hinrich Langeloh 

„Rhythmus ist den Menschen von Natur aus gegeben, den Takt haben sie erfunden. Takt ist eine Willensäußerung, einen perfekten Takt schlägt ein Metronom. Jeder Mensch hat seinen eigenen Rhythmus, wenn man sich in einem Takt mit anderen bewegt, fühlt man sich im Einklang mit ihnen.“

(Samy Molcho) 

Beim diesjährigen Scheersbergtreffen soll es um rhythmische Variationen des 3/4-Taktes gehen, die dann zu ganz unterschiedlichen Tanzformen führen und so folgt hier eine kurze Reflektion über Takt und Rhythmus: Das Wort Takt kommt ursprünglich von „tactus“, d.h. Schlag und hat in der heutigen Musik die Bedeutung einer Gruppierung von Noten. Unser menschliches Ohr nimmt diese Gruppierung ganz automatisch vor, z.B. wenn man dem Ticken einer Uhr zuhört. Das Taktmaß, sei es 3/4 oder 2/4, wurde erfunden, um einer Melodie eine Struktur zu geben, die den Musiker in die Lage versetzt, eine Abfolge von Noten so zu spielen, wie es der Komponist gewollt hat. Nehmen wir z.B. eine Melodie mit 24 Viertelnoten hintereinander, dann könnte man daraus 8 Takte mit jeweils 3/4 machen, oder 6 Takte mit 4/4 oder 12 Takte mit 2/4 oder 4 Takte mit 6/4 und schon hätten wir vier unterschiedliche Interpretationen der Melodie. 

Die ersten Versuche, Melodien, bzw. Noten eines Stückes aufzuschreiben – im Mittelalter – enthielten noch keine Taktstriche, weil das Stück ohnehin mündlich weitergegeben wurde und die Noten nur als Erinnerungshilfe dienten. Bei der Rekonstruktion dieser alten Noten musste man allerdings versuchen einen Takt zu bestimmen und dies führt bei der Notation Alter Musik häufig dazu, dass sich in einer Melodie verschiedene Taktarten abwechseln. 

Inzwischen hat sich besonders auch in der Tanzmusik ein einheitliches Taktmaß durchgesetzt, bei uns in Westeuropa in erster Linie 2/4, 3/4 und ihre Unterarten 4/4 oder 6/8, während in Osteuropa auch ungerade Taktformen, wie 7/8 oder 11/8 vorkommen, die allerdings auch nur aus 2/4 und 3/4- Takten zusammengesetzt sind. Ausnahmen in Westeuropa sind die sog. Zwiefachen aus Franken mit einer symmetrischen oder unsymmetrischen Folge von 2/4 und 3/4-Takten, oder auch der 5/4-Walzer.

Als Erklärung für die Dominanz des 3/4 und 2/4-Taktes bei uns in Europa wird gerne unsere christliche Vergangenheit herangezogen. Die Kirchenmusik hat bei uns seit Einführung des Christentums eine dominierende Rolle gespielt. So galt im Mittelalter der Dreiertakt als das perfekte Taktmaß (brevis perfecta) und der Zweiertakt als „brevis imperfecta“. 

Wichtig für das musikalische Empfinden sind auch die Notenlängen in einem Takt, das sog. Metrum, aber erst durch unterschiedliche Betonungen in einem oder mehreren Takten entsteht dann ein typischer Rhythmus, der dann zu einem speziellen Tanz führt. 

Ausgehend vom griechischen Wort „rhein“, d.h. fließen, strömen, steht der Rhythmus für die Wiederkehr des Ähnlichen in ähnlichen Fristen und er geht häufig über zwei oder mehrere Takte. Jeder Mensch hat ein unbewusstes Gefühl für Rhythmen und so können auch unmusikalische Menschen sofort einen Tango von einem Walzer unterscheiden. Schwieriger wird es bei geringen Verschiebungen der Betonung in einem Dreiertakt, z.B. bei Walzer, Mazurka oder Polska, und so werden wir beim diesjährigen Scheersbergtreffen diese kleinen Unterschiede herausarbeiten.  

 

 

Konzerte zu Haugaard’s International Fiddleschool 2017 

Wie jedes Jahr führen die Dozenten der Fiddleschool in einem Konzert vor, was die Lehrgangsteilnehmer noch anstreben. Das Lehrerkonzert am Mittwoch, 2. August 20 Uhr, in der St. Nikolai-Kirche in Bredstedt ist hochkarätig besetzt: 

Antti Järvela (FIN), Leo Svensson (S), Kevin Henderson (SHET), Julia Lacherstorfer (AT), Lykke Søndergaard (DK), Hanneke Cassel (US), Karen Mose (DK), Pete Cooper (ENG), Rudolf Pietsch (AT) und Harald Haugaard (DK). 

 

Auch das Abschlusskonzert der Fiddleschool ist Tradition. Die 140 Teilnehmer präsentieren am Freitagabend, 4. August um 20 Uhr, einen Teil der Folkmusikstücke, die sie im Laufe der Woche neu gelernt haben. Mit vielen unterschiedlichen Instrumenten und Vokalensembles haben sie ein unterhaltsames Programm erarbeitet. Veranstaltungsort wird wie im letzten Jahr die Christuskirche in Niebüll sein. 

 

Flensburger Hofkultur 2017 

 

 

Alte Kaufmannshöfe werden vom 21. Juli bis zum 20. August in buntes Licht getaucht und verträumte Klänge und mitreißende Rhythmen erheben sich in den Abendhimmel: zum nun bereits 23. Mal öffnet die Flensburger Hofkultur die Tore zu stimmungsvollen Kaufmannshöfen, in deren ganz eigener Atmosphäre intime Konzerte von Jazz über Blues zu Singer/Songwriter und Kabarett stattfinden. Mit dabei sind diesmal unter anderem Thorbjørn Risager & The Black Tornado, Lasse Matthiessen, Torpus & The Art Directors und B.B. and the Blues Shacks. Eröffnet wird die Hofkultur diesmal mit einer fulminanten Mischung aus Tango, Ska, Jazz und Swing – die Musik von Rosario Smowing ist genauso temperamentvoll wie ihre Heimat Argentinien. Das Gesamtprogramm findet man unter www.flensburger-hofkultur.de